Städtereise-Guide
Bremen: Rathaus, Roland und die Stadtmusikanten an einem Wochenende
Was du in Bremen sehen musst, wann du kommst und wie du für Nordsee-Wetter gepackt bist — mit Empfehlungen, die direkt zum passenden Produkt führen.
Bremen in zehn Minuten
Bremen trägt man mit festen Sohlen und einer Jacke im Gepäck. Die Hansestadt liegt in einer Flussschleife der Weser, und ihre Altstadt ist so kompakt, dass man vom Marktplatz über das Schnoorviertel bis zur Schlachte an einem Nachmittag zu Fuß kommt. Das Wetter kommt vom Nordwesten: Es wechselt hier schneller als anderswo, ein Schauer zieht durch und die Sonne ist zehn Minuten später wieder da. Wer mit einer gut gepackten Reisetasche, einem leichten Rucksack für den Tag und einer wasserdichten Jacke anreist, ist für ein Bremer Wochenende an fast jedem Datum richtig ausgestattet.
Bremen ist außerdem ein halber Stadtstaat mit doppeltem Boden: Zur Freien Hansestadt Bremen gehört auch Bremerhaven, gut sechzig Kilometer flussabwärts an der Wesermündung. Das eine ist die alte Kaufmannsstadt aus Backstein, das andere das Tor zur Nordsee mit seinen Museen — zwei sehr verschiedene Tage, die zusammen ein rundes Wochenende ergeben.
Spartipp: die ErlebnisCARD
Für Busse und Straßenbahnen der BSAG und den Eintritt in viele Museen und Führungen gibt es die ErlebnisCARD (früher als BremenCARD bekannt). Sie enthält die freie Fahrt im Nahverkehr und Rabatte auf zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Wer plant, mehr als eine Tram-Fahrt zu machen und zwei, drei Museen mitzunehmen, hat sie meist schnell wieder heraus. Die aktuellen Laufzeiten und Konditionen stehen bei der Bremer Tourist-Information — Zahlen ändern sich, das Prinzip nicht.
Marktplatz: Rathaus, Roland und die Stadtmusikanten
Das Herz der Stadt ist der Marktplatz, und er trägt gleich zwei Welterbe-Titel. Das Bremer Rathaus mit seiner prächtigen Fassade der Weser-Renaissance und der steinerne Roland davor stehen seit 2004 gemeinsam auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Der Roland ist über fünf Meter hoch, steht seit dem frühen 15. Jahrhundert an dieser Stelle und war nie bloße Dekoration: Er ist das Zeichen für Marktrecht und städtische Freiheit — solange er steht, so die alte Überzeugung, bleibt Bremen frei.
An der Westseite des Rathauses steht die berühmteste Tierpyramide Deutschlands: die Bremer Stadtmusikanten. Esel, Hund, Katze und Hahn, einer auf dem anderen, in Bronze gegossen von Gerhard Marcks. Die vier stammen aus dem Märchen der Brüder Grimm — vier ausgediente Tiere, die nach Bremen ziehen wollen, um Stadtmusikanten zu werden, und unterwegs eine Räuberhütte erobern. In Bremen selbst kommen sie im Märchen nie an; die Statue holt sie nachträglich in die Stadt. Wer die beiden Vorderhufe des Esels mit beiden Händen umfasst, dem soll es Glück bringen — deshalb sind sie blank gescheuert, während der Rest der Figur dunkel bleibt.
Rundherum liegt der Rest fußläufig: der gotische St.-Petri-Dom mit seinen zwei Türmen, das Schütting als altes Haus der Kaufmannschaft und die Bürgerschaft, das Landesparlament. Von hier aus erschließt sich die ganze Altstadt in kurzen Wegen.
Feste Sohlen fürs Kopfsteinpflaster
Schnoor, Böttcherstraße und die Schlachte
Ein paar Schritte südöstlich beginnt das Schnoor, das älteste erhaltene Viertel Bremens. Der Name kommt von Schnur: Die schmalen Häuschen reihen sich wie Perlen an einer Schnur durch enge Gassen, in denen früher Fischer, Schiffer und Handwerker Tür an Tür wohnten. Heute stecken in den winzigen Häusern Werkstätten, Galerien und Cafés — man geht hier nicht auf ein Ziel zu, man lässt sich durch die Gassen treiben.
Ganz anders und doch nur wenige Minuten entfernt: die Böttcherstraße. Auf gut hundert Metern zwischen Markt und Weser ließ der Kaffeekaufmann Ludwig Roselius in den 1920er-Jahren eine ganze Straße im Backstein-Expressionismus umgestalten — dunkelrote Klinker, kantige, fast expressionistisch verzogene Formen, dazu ein Glockenspiel aus Meissener Porzellan und das Paula-Modersohn-Becker-Museum, das erste Museum weltweit, das einer Malerin gewidmet wurde. Die Straße ist selbst das Ausstellungsstück.
Zur Weser hin öffnet sich die Schlachte, die Promenade am Fluss. Wo heute Lokale und Biergärten stehen, lag über Jahrhunderte der mittelalterliche Hafen Bremens — der Name erinnert an die eingeschlagenen Pfähle, die das Ufer befestigten. Flussabwärts schließt die Überseestadt an: ein ehemaliges Hafen- und Speicherquartier, das heute mit umgebauten Lagerhallen, Lofts und Restaurants ein junges Gegenstück zur Altstadt bildet.
Gegen den Nordwestwind
Beck's, Bremerhaven und ein zweiter Tag
In der Neustadt auf der anderen Weserseite steht die Beck's-Brauerei, seit den 1870er-Jahren an der Stadt gewachsen und weit über Bremen hinaus bekannt. Führungen durchs Sudhaus zeigen, wie aus Wasser, Malz und Hopfen das grüne Flaschenbier wird — ein solider Programmpunkt für einen Nachmittag, an dem der Wind von der Nordsee zu kräftig für lange Wege draußen ist.
Für den zweiten Tag lohnt der Sprung nach Bremerhaven an der Wesermündung. Zwei Häuser tragen den Ausflug: Das Deutsche Auswandererhaus erzählt die Geschichte der über sieben Millionen Menschen, die über Bremerhaven nach Amerika aufbrachen — man läuft den Weg der Auswanderer vom Kai bis an Bord nach. Gleich nebenan führt das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost entlang des achten Längengrads einmal um die Erde, durch Wüste, Eis und Regenwald, als begehbare Reise durch die Klimazonen. Rundherum liegen die Havenwelten mit Hafenbecken, Aussichtsturm und Deich. Bremen und Bremerhaven sind zwei Städte, ein Land — und an einem Wochenende gut zu verbinden.
Gut gepackt für Stadt und Tagestour
Handgepäck & Koffer fürs Wochenende
Anreise und vor Ort
Ankommen ist in Bremen unkompliziert. Der Hauptbahnhof liegt am nördlichen Rand der Altstadt, mit ICE- und IC-Verbindungen in alle Richtungen; von dort sind es zu Fuß nur wenige Minuten in die Wallanlagen und weiter zum Markt. Der Flughafen Bremen (BRE) ist einer der stadtnächsten Deutschlands — die Straßenbahnlinie 6 fährt vom Terminal in einer knappen Viertelstunde bis zum Hauptbahnhof und zur Domsheide. In der Stadt selbst bringt einen die BSAG mit Straßenbahnen und Bussen dicht getaktet überallhin; für die Altstadt braucht man sie kaum, dort ist alles ein Fußweg.
Die beste Reisezeit ist das milde Halbjahr vom späten Frühling bis in den frühen Herbst — das maritime Klima bleibt wechselhaft, also gehören ein paar Schichten und eine winddichte Lage ins Gepäck, egal in welchem Monat. Im Herbst füllt der Freimarkt, eines der ältesten Volksfeste Deutschlands, für gut zwei Wochen die Innenstadt; dann wird es voll und laut. Wer ein zweites Ziel anhängen will: Hamburg liegt gut eine Zugstunde entfernt und lässt sich mühelos an einen Bremen-Trip koppeln. Für Handgepäck-Reisende reicht ein kompakter Trolley fürs Handgepäck für ein solches Wochenende locker aus.
Zentral schlafen — Altstadt und Bahnhof
Diese Häuser liegen wenige Gehminuten von Marktplatz, Schnoor oder Hauptbahnhof — ideal, wenn man Bremen zu Fuß erobern will.
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