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Größen, Weite, Material und Sohle — und was davon beim Kauf wirklich zählt

Schuhe

Schuhkauf scheitert selten am Geschmack und fast immer an der Passform. Diese Seite erklärt, warum EU-, UK- und US-Größen sich nicht sauber ineinander umrechnen lassen, wie die Weite gemessen wird, was Nubuk von Velours unterscheidet und woran man erkennt, ob ein Schuh je neu besohlt werden kann.

Warum EU, UK und US nicht ineinander aufgehen

Die europäische Größe geht auf den Pariser Stich zurück: ein Maß von zwei Dritteln eines Zentimeters, also rund 6,67 Millimeter je Größe. Britische und amerikanische Größen rechnen dagegen im Barleycorn, einem Drittel Zoll oder rund 8,47 Millimetern. Damit ist der Kern des Problems benannt: Die Systeme haben nicht nur verschiedene Nullpunkte, sondern verschieden große Schritte. Zwischen zwei EU-Größen liegen knapp sieben Millimeter, zwischen zwei UK-Größen gut achteinhalb. Zwei Skalen mit unterschiedlicher Schrittweite lassen sich nicht durch Addieren einer festen Zahl ineinander überführen — jede Umrechnungstabelle rundet, und der Rundungsfehler wandert über den Größenbereich.

Dazu kommt der zweite Bruch: Die EU-Größe beschreibt nicht den Fuß, sondern den Leisten — die Form, über die der Schuh gebaut wird. Der Leisten ist länger als der Fuß, weil die Zehen Platz brauchen. Wie viel Zugabe ein Hersteller einrechnet, ist seine Entscheidung. Für Konfektionsschuhe gibt es keine Vorschrift, die alle Hersteller auf dieselbe Umrechnung verpflichtet. Deshalb sind dieselbe 42 bei zwei Marken zwei verschiedene Schuhe, und deshalb steht auf vielen Schuhen mehr als eine Zahl.

Die gängigen Faustregeln — US-Damengrößen liegen etwa anderthalb Schritte über US-Herrengrößen, US-Herren rund einen Schritt über UK — sind Konventionen, keine Gesetze. Einzelne Marken weichen davon ab, und niemand hindert sie daran.

Ein System, das den Fuß statt des Leistens misst, gibt es durchaus: Mondopoint nach ISO 9407 notiert Fußlänge und Fußbreite schlicht in Millimetern. Es ist das einzige Maß, das ohne Umrechnung auskommt — und es hat sich außerhalb von Skischuhen, Sicherheitsschuhen und Militärbedarf nie durchgesetzt.

Wer sichergehen will, misst selbst: Blatt Papier an die Wand, Ferse an die Wand, im Stehen und mit Gewicht auf dem Fuß, die längste Zehe anzeichnen. Die längste Zehe ist nicht bei jedem die große — beim griechischen Fußtyp steht die zweite Zehe vor, beim ägyptischen die große, beim römischen sind die ersten beiden etwa gleich lang.

Weite: das Maß, das auf den meisten Schuhen fehlt

Länge ist eine Dimension, der Fuß hat drei. Die Weite wird über den Ballenumfang bestimmt: den Umfang an der breitesten Stelle des Vorfußes, gemessen über die Ballen — nicht die Breite von außen, sondern der Umfang rundherum.

Im deutschsprachigen Raum sind dafür Buchstaben verbreitet: von F für schmal über G und H bis zu K und M für sehr weit. Im angloamerikanischen Raum stehen B, D, E, 2E und 4E für dasselbe Prinzip, wobei D bei Herren als Normalweite gilt und B bei Damen. Ein Weitenschritt entspricht dort rund einem Viertelzoll Ballenumfang. Verbindlich genormt ist auch das nicht — die Buchstaben bedeuten bei zwei Marken nicht zwangsläufig dasselbe. Bei Kinderschuhen ist das System sichtbarer als bei Erwachsenen: WMS steht für weit, mittel, schmal und gibt zu jeder Länge drei Weiten.

Der eigentliche Punkt ist ein anderer: Die allermeisten Mode- und Sportschuhe werden überhaupt nur in einer Weite gebaut. Wer einen breiten Fuß hat, findet deshalb keine breitere Variante, sondern greift eine Nummer größer — und bekommt einen Schuh, der vorn zwar weiter, aber eben auch länger ist. Der Fuß rutscht nach vorn, die Ferse hebt bei jedem Schritt ab, und bergab stoßen die Zehen an die Kappe. Das ist die häufigste Ursache für schwarze Zehennägel nach einer langen Wanderung, und mit der Länge hat sie nichts zu tun.

Material: Leder ist nicht gleich Leder

Glattleder trägt die Narbenschicht nach außen — die dichte, gewachsene Außenseite der Haut. Bleibt sie unangetastet, spricht man von Vollnarbenleder; es ist die widerstandsfähigste Variante, weil die Faser dort am dichtesten liegt. Wird die Narbe abgeschliffen und eine Deckschicht aufgetragen, um Narben und Insektenstiche zu kaschieren, entsteht korrigiertes Leder: gleichmäßiger im Bild, weniger atmungsaktiv.

Wildleder ist ein Sammelbegriff, und er wirft zwei Dinge zusammen, die verschieden sind. Nubuk ist Leder, dessen Narbenseite fein angeschliffen wurde: kurzer, dichter Flor, samtig im Griff. Velours ist von der Fleischseite her geschliffen, der Flor ist länger und gröber. Für die Pflege ist der Unterschied entscheidend — beide vertragen weder Creme noch Wachs, weil Fett den Flor verklebt und die Fläche fleckig und speckig macht. Sie wollen eine Bürste und ein Imprägnierspray, sonst nichts.

Glattleder will genau das Gegenteil: Schuhcreme ersetzt Fett, das dem Leder beim Tragen und Trocknen verloren geht, Wachs legt sich als Schutzschicht darüber. Lackleder ist beschichtet und verträgt weder das eine noch das andere — ein feuchtes Tuch genügt, und Kälte lässt die Beschichtung reißen. Textil und Mesh atmen am besten und halten am Abrieb am wenigsten aus.

Was Schuhe wirklich tötet, ist Hitze. Nasse Schuhe gehören nicht auf die Heizung und nicht vor den Fön: Leder schrumpft beim schnellen Trocknen, wird hart und brüchig, und Klebungen können sich lösen. Richtig ist Zeitungspapier hinein, einmal wechseln, bei Zimmertemperatur trocknen lassen. Wer denselben Schuh jeden Tag trägt, gibt der Feuchtigkeit nie die Gelegenheit zu entweichen — ein Tag Pause zwischen zwei Einsätzen ist die billigste Lebensverlängerung, die es gibt. Ein Schuhspanner aus Zedernholz hält dabei die Form und nimmt Feuchtigkeit auf.

Im Winter kommt Streusalz dazu. Es zeigt sich als weißer Rand, zieht Feuchtigkeit aus dem Leder und greift es an. Weg damit, solange es frisch ist: feuchtes Tuch, trocknen lassen, nachfetten.

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Sohle und Machart: was den Schuh zusammenhält

Unter dem Fuß liegen meist drei Schichten: die Brandsohle, auf der der Fuß steht, die Zwischensohle, die dämpft, und die Laufsohle, die den Boden berührt.

Die Zwischensohle ist fast immer Schaum. EVA ist leicht und günstig, verliert aber unter Last an Rückstellkraft — sie wird mit den Kilometern flacher. PU ist schwerer und hält länger, hat aber eine Eigenheit, die viele überrascht: Es hydrolysiert. Polyurethan reagiert langsam mit Luftfeuchtigkeit, und zwar unabhängig davon, ob der Schuh getragen wird. Ein ungetragener Schuh mit PU-Zwischensohle kann nach Jahren im Karton beim ersten Spaziergang bröseln. Schuhe altern auch im Regal — bei Lagerware ist das Herstellungsdatum wichtiger als der Zustand der Kappe.

Bei der Laufsohle ist Gummi das haltbare, griffige, aber schwerere Material; EVA-Laufsohlen sind leicht und schleifen sich schneller ab.

Wie Sohle und Schaft verbunden sind, heißt Machart — und sie entscheidet über die Lebensdauer. Geklebt ist der Normalfall: leicht, günstig, in der Regel nicht sinnvoll neu besohlbar. Vulkanisiert kennt jeder von klassischen Skate- und Basketballschuhen: Die Gummisohle wird unter Hitze mit dem Schaft verbunden, meist zusätzlich gehalten von einem umlaufenden Gummiband. Das Ergebnis ist flach, flexibel und gibt viel Rückmeldung vom Boden — der Grund, warum Skater daran festhalten. Eine Cupsole ist dagegen eine vorgeformte Schale, in die der Schaft eingeklebt wird: mehr Dämpfung, mehr Haltbarkeit, dafür steifer.

Rahmengenäht — die Goodyear-Machart — verbindet Schaft und Rahmen mit einer Naht und die Laufsohle mit dem Rahmen. Das ist schwer, braucht Einlaufzeit und kostet, lässt sich aber mehrfach neu besohlen, ohne den Schaft anzutasten. Bei der Blake-Machart läuft die Naht durch Schaft, Brandsohle und Laufsohle; der Schuh wird schlanker und flexibler, das Neubesohlen verlangt aber eine Spezialmaschine.

Wer wissen will, was er vor sich hat, schaut auf die Nähte: Rahmengenähte Schuhe zeigen eine umlaufende Naht auf dem Rahmen, blakegenähte eine Naht innen auf der Brandsohle, geklebte gar keine.

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Anprobe: der Ballen entscheidet, nicht die Zahl

Füße schwellen im Lauf des Tages an. Ein Schuh, der morgens sitzt, kann abends drücken — deshalb probiert man am besten nachmittags oder abends, und mit den Socken, die man später darin trägt.

Fast niemand hat zwei gleich große Füße. Gepasst wird der größere; für den kleineren gleichen Einlegesohle und Schnürung aus.

Vorn gehört eine Daumenbreite Luft, rund ein Zentimeter, zwischen längster Zehe und Kappe — im Stehen gemessen, nicht im Sitzen, denn unter Gewicht wird der Fuß länger und breiter. Entscheidend ist aber nicht die Spitze, sondern der Ballen: Die breiteste Stelle des Fußes muss auf der breitesten Stelle des Schuhs liegen und dort abrollen. Sitzt sie davor oder dahinter, ist die Länge falsch — egal, was die Zahl im Schuh behauptet.

Und die unbequemste Regel zum Schluss: Ein Schuh, der beim Anprobieren drückt, wird nicht besser. Leder gibt in der Weite ein wenig nach, in der Länge praktisch nicht.

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