Gießen, Teich, Wespen und Schnitt — was im Juli wirklich zählt
Garten im Hochsommer
Im Hochsommer entscheidet sich im Garten wenig über Dünger und fast alles über Wasser: wie man gießt, warum ein Teich gerade jetzt kippt, wieso Vögel eine flache Tränke brauchen und was gegen Wespen tatsächlich hilft. Dazu, was der Unterschied zwischen einer Bypass- und einer Amboss-Schere für lebendes Holz bedeutet.
Im Juli entscheidet Wasser, nicht Dünger
An heißen Tagen verliert eine Pflanze Wasser über die Spaltöffnungen der Blätter. Wird es zu heiß, schließt sie diese Öffnungen und stellt die Verdunstung ein — sie wächst dann nicht mehr, sie hält nur noch aus. Deshalb bringt Gießen in der Mittagshitze wenig: Die Pflanze kann das Wasser gar nicht aufnehmen, und ein großer Teil verdunstet, bevor er die Wurzel erreicht.
Der bessere Zeitpunkt ist der frühe Morgen. Der Boden ist dann am kühlsten, das Wasser sickert ein statt zu verdunsten, und die Pflanze hat den Vorrat, bevor die Hitze kommt. Abends gegossen bleibt das Laub die ganze Nacht feucht, und dauerhaft nasses Laub ist die Eintrittskarte für Mehltau und andere Pilze. Feuchte Beete am Abend ziehen außerdem Schnecken an.
Wichtiger als die Uhrzeit ist die Menge. Wer täglich ein wenig gießt, hält nur die obersten Zentimeter feucht — und genau dort bleiben die Wurzeln, weil Wurzeln dem Wasser folgen. Eine flach wurzelnde Pflanze steht bei der nächsten Hitzewelle vor dem Nichts. Einmal durchdringend gießen und dann mehrere Tage nichts zwingt die Wurzel in die Tiefe, wo der Boden auch im Hochsommer Feuchte hält. Bei frisch gepflanzten Gehölzen hilft ein aufgeworfener Gießrand, damit das Wasser nicht seitlich wegläuft, und eine Mulchschicht bremst die Verdunstung aus dem offenen Boden.
Töpfe und Kübel sind der Sonderfall, für den keine dieser Regeln gilt. Sie haben ein begrenztes Substrat und keinen Anschluss ans Grundwasser. Ein Kübel in der prallen Sonne kann an einem einzigen Hochsommertag komplett austrocknen — hier zählt tatsächlich täglich, im Zweifel zweimal. Ist der Ballen einmal ganz trocken, nimmt er Wasser kaum noch an: Es läuft am Rand vorbei ins Freie. Dann hilft nur Tauchen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
Gießkannen
Warum ein Teich im Hochsommer kippt
Ein Gartenteich kippt fast nie im Frühjahr und fast immer im Hochsommer, und dahinter steckt schlichte Physik: Warmes Wasser löst weniger Sauerstoff als kaltes. Ein Teich mit 25 Grad hält deutlich weniger Sauerstoff als derselbe Teich mit 10 Grad. Gleichzeitig steigt mit der Temperatur der Stoffwechsel — Fische atmen mehr, und die Bakterien, die abgestorbenes Material zersetzen, atmen ebenfalls mehr. Das Angebot sinkt genau dann, wenn die Nachfrage steigt.
Der gefährlichste Moment ist nicht der heiße Nachmittag, sondern der frühe Morgen. Tagsüber produzieren Wasserpflanzen und Algen Sauerstoff; nachts, ohne Licht, verbrauchen sie ihn selbst. Der Tiefpunkt liegt kurz vor Sonnenaufgang. Fische, die in den Morgenstunden an der Oberfläche nach Luft schnappen, sind kein Schönheitsfehler, sondern das letzte Warnsignal vor einem Fischsterben.
Das Gegenmittel ist Bewegung. Sauerstoff gelangt fast ausschließlich über die Wasseroberfläche ins Wasser, deshalb zählt nicht die Tiefe des Teichs, sondern die Kontaktfläche zur Luft. Eine Pumpe, ein Sprudler, ein Bachlauf oder ein Fontänenaufsatz bricht die Oberfläche auf und trägt Sauerstoff ein. Wer im Hochsommer nur ein Gerät laufen lässt, lässt die Pumpe laufen — und zwar auch nachts, gerade nachts.
Zwei Dinge kommen dazu. Ein Teich verdunstet im Hochsommer täglich sichtbar Wasser. Wer den Verlust auf einmal mit viel kaltem Leitungswasser ausgleicht, verpasst dem System einen Temperatur- und Chemieschock; besser öfter kleine Mengen. Und die Fütterung gehört zurückgenommen: Was nicht gefressen wird, sinkt ab und wird zersetzt, und jede Zersetzung kostet genau den Sauerstoff, der ohnehin knapp ist.
Teichpumpen
Grünes Wasser, Fadenalgen und was der Filter wirklich kann
Grünes Wasser und Fadenalgen sind zwei verschiedene Probleme, und dieselbe Technik löst nur eines davon. Grünes Wasser entsteht durch Schwebealgen — mikroskopisch kleine Einzeller, die frei im Wasser treiben und es milchig-grün färben. Fadenalgen dagegen sind die grünen Watten, die an Steinen, Pflanzen und Folie festwachsen.
Ein UVC-Klärer wirkt nur gegen die Schwebealgen. Er bestrahlt das Wasser, das durch ihn hindurchfließt; die Algen verklumpen und werden anschließend im Filter zurückgehalten. Damit das funktioniert, muss hinter dem UVC-Gerät ein Filter sitzen — allein bringt es nichts, dann treiben die verklumpten Algen zurück in den Teich. Gegen Fadenalgen ist ein UVC-Gerät wirkungslos, weil festsitzende Algen nie hindurchströmen. Die holt man von Hand heraus, am einfachsten indem man sie mit einem rauen Stock aufwickelt.
Der zweite verbreitete Fehler betrifft die Reinigung. In einem eingefahrenen Filter lebt eine Bakterienkultur, die Ammonium und Nitrit abbaut — das ist die eigentliche Leistung, nicht das Zurückhalten von Schmutz. Wer die Filtermatten unter dem Wasserhahn abspritzt, tötet diese Kultur mit dem Chlor und der Temperatur des Leitungswassers und beginnt biologisch bei null. Filtermedien werden im ausgeschöpften Teichwasser ausgedrückt, nicht sauber gewaschen. Aus demselben Grund darf ein Filter nicht stundenweise laufen: Stehen die Bakterien länger ohne Durchfluss, ersticken sie.
Gegen die Ursache hilft nur weniger Nährstoff und weniger Licht. Laub und Schlamm herausholen, sparsam füttern, und Schwimmpflanzen wie Seerosen decken Fläche ab. Ein Teil der Wasseroberfläche im Schatten ist die wirksamste Algenbremse, die nichts kostet.
Teichfilter und Filtermedien
Vögel brauchen jetzt Wasser, nicht Futter
Im Hochsommer ist Wasser für Vögel wichtiger als Futter. Pfützen, Gräben und flache Tümpel fallen trocken, und Vögel schwitzen nicht — sie geben Wärme über die Atmung ab und verlieren dabei Feuchtigkeit. Eine zuverlässige Wasserstelle im Garten wird an heißen Tagen von früh bis spät angeflogen, und zwar auch von Arten, die man am Futterhaus nie sieht.
Entscheidend ist, dass die Tränke flach ist. Vögel baden, sie tauchen nicht: Zwei bis fünf Zentimeter Wassertiefe genügen, und ein Stein oder eine flache Schräge in der Mitte gibt Halt und einen Ausstieg. Tiefe Gefäße mit glatten, steilen Wänden sind das Gegenteil einer Hilfe — sie werden zur Falle, aus der ein nasser Vogel nicht mehr herauskommt. Der Standort sollte frei genug sein, dass sich eine Katze nicht ungesehen anschleichen kann, aber mit einem Strauch in Reichweite als Fluchtpunkt.
Der wichtigste Punkt wird am häufigsten übersehen: Eine Vogeltränke muss täglich gereinigt werden. Warmes, stehendes Wasser, in dem viele Vögel baden und trinken, ist ein idealer Übertragungsweg für Krankheitserreger — allen voran Trichomonaden, an denen im Sommer regelmäßig Grünfinken sterben. Wasser täglich wechseln, die Schale ausbürsten und heiß ausspülen, kein Spülmittel. Wer das nicht leisten kann oder will, stellt besser keine Tränke auf: Eine schlecht gepflegte Wasserstelle sammelt die Vögel der Umgebung an einem Ort und schadet ihnen mehr, als das Wasser nützt. Wird ein kranker Vogel beobachtet — aufgeplustert, apathisch, mit Schluckbeschwerden — gehören Tränke und Futterstelle für einige Wochen ersatzlos weg.
Vogeltränken
Wespen am Tisch: was hilft und was nicht
Im Juli wächst ein Wespenvolk, seinen Höhepunkt erreicht es erst im Spätsommer. Und von den vielen heimischen Wespenarten interessieren sich nur zwei für Kuchen und Grillfleisch: die Deutsche und die Gemeine Wespe. Alle anderen — und das ist die große Mehrheit — leben unauffällig, jagen Insekten und kommen dem Kaffeetisch nie nahe.
Wespen stehen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes: Wildlebende Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden, und für Nester besonders geschützter Arten wie Hornissen braucht es eine Ausnahmegenehmigung. Was im Einzelfall erlaubt ist, regeln die Länder unterschiedlich. Wer ein Nest an einem wirklich unpassenden Ort hat, wendet sich an die Untere Naturschutzbehörde der Gemeinde oder des Landkreises — dort gibt es Auskunft und oft die Vermittlung von Umsiedlern. Ein Nest im Rollladenkasten ist ein Fall für Fachleute, kein Fall für eine Spraydose.
Am Tisch hilft vor allem Verhalten. Anpusten ist das Schlechteste, was man tun kann: Das Kohlendioxid im Atem ist für Wespen ein Alarmsignal und provoziert genau den Angriff, den man vermeiden wollte. Ebenso wirken Schlagen und hektisches Wedeln. Ruhig bleiben, die Wespe abwarten oder sie mit einem Blatt Papier wegleiten. Was praktisch hilft: Speisen und vor allem süße Getränke abdecken, aus Gläsern nicht direkt trinken oder einen Deckel benutzen, nach dem Essen Hände und Kindergesichter abwischen. Wer ein Stück überreifes Obst in einigen Metern Entfernung auslegt, lenkt einen Teil der Tiere vom Tisch weg.
Über Fallen sollte man ehrlich sein. Sie fangen unselektiv — Bienen, Schwebfliegen und harmlose Wespenarten gehen genauso hinein — und sie lösen das Problem am Tisch nicht, weil der Lockstoff zusätzliche Tiere in den Garten holt. Wenn überhaupt, gehört eine Falle weit weg vom Sitzplatz, nicht daneben, und mit einem Köder, der Bienen nicht anzieht: Bienen gehen an Süßes, aber nicht an sauer angesetztes Obst mit einem Schuss Essig.
Wespenfallen
Sommerschnitt: bremsen statt antreiben
Sommerschnitt und Winterschnitt tun das Gegenteil voneinander, und das ist der wichtigste Satz zum Thema. Wer im Winter schneidet, nimmt der Pflanze Knospen, während die Wurzel voll gefüllt ist — die gesamte gespeicherte Kraft verteilt sich im Frühjahr auf weniger Augen, und der Baum treibt kräftiger aus als zuvor. Wer im Sommer schneidet, nimmt belaubte Triebe und damit die Fläche, mit der die Pflanze Zucker produziert. Das bremst. Deshalb schneidet man einen zu stark wachsenden Obstbaum im Sommer und nicht im Winter, und deshalb hält ein Formschnitt an Hecken erst nach dem Sommerschnitt wirklich Form.
Für Hecken gilt eine gesetzliche Schranke: Zwischen dem 1. März und dem 30. September verbietet das Bundesnaturschutzgesetz das Roden und das Auf-den-Stock-Setzen von Hecken und Gebüschen. Ein schonender Form- und Pflegeschnitt bleibt in diesem Zeitraum zulässig — aber nur, solange dabei keine brütenden Vögel gestört oder Nester zerstört werden, und dieses Verbot gilt unabhängig vom Datum. Vor jedem Heckenschnitt im Sommer gehört deshalb ein Blick ins Innere. Ausnahmen und Details regeln die Bundesländer verschieden; zuständig für die verbindliche Auskunft ist die Untere Naturschutzbehörde.
Zwei handwerkliche Punkte entscheiden über das Ergebnis. Erstens: nicht in praller Hitze schneiden. Frische Schnittflächen trocknen aus, und Innenlaub, das jahrelang im Schatten stand und plötzlich freigestellt wird, bekommt Sonnenbrand. Ein bedeckter Tag ist besser als ein Hochsommer-Nachmittag.
Zweitens die Schere selbst, und hier liegt ein verbreiteter Fehler. Eine Bypass-Schere schneidet wie eine Schere: Zwei Klingen gleiten aneinander vorbei und hinterlassen einen glatten Schnitt — das ist die Bauart für lebendes, saftführendes Holz. Eine Amboss-Schere drückt eine Klinge gegen eine flache Gegenfläche. Sie hat mehr Kraft und ist für totes, hartes, trockenes Holz gedacht. Wer lebende Triebe mit einer Amboss-Schere schneidet, quetscht die Leitbahnen auf beiden Seiten der Schnittstelle; die Wunde schließt schlechter und ist eine offene Tür für Pilze. Dazu kommt: scharf halten, und bei Anzeichen von Krankheit die Klingen zwischen den Pflanzen abwischen und desinfizieren, sonst trägt man den Erreger selbst durch den Garten.
Gartenscheren: Bypass und Amboss
Bewegtes Wasser gegen Mückenlarven
Ein Detail, das im Hochsommer mehr ausmacht als jedes Mittel: Mückenlarven brauchen stehendes Wasser mit ruhiger Oberfläche. Sie hängen zum Atmen an der Wasseroberfläche, und schon leichte, dauerhafte Bewegung macht ein Gewässer für sie unbrauchbar. Deshalb ist ein Brunnen mit laufender Pumpe keine Mückenquelle — der vergessene Untersetzer unter dem Kübel, die offene Regentonne, die volle Gießkanne und die Pfütze in der Plane dagegen sehr wohl. Wer im Garten Mücken reduzieren will, geht einmal in der Woche herum und kippt jedes stehende Wasser aus, das nicht bewegt wird. Das wirkt zuverlässiger als alles, was man auf die Haut sprüht. Regentonnen gehören dicht abgedeckt.
Bewegtes Wasser hat im Sommer noch einen zweiten Effekt. Verdunstung braucht Energie, und diese Energie zieht sie aus der Umgebungsluft — in unmittelbarer Nähe eines Brunnens oder Wasserspiels ist es an heißen Tagen spürbar kühler. Das ist kein Klimagerät und wirkt nur auf wenige Meter, aber auf einer Terrasse ist es der Unterschied zwischen erträglich und nicht.
Und schließlich nutzen Vögel, Bienen und Wespen flache Brunnenränder als Tränke — Insekten ertrinken allerdings leicht. Ein paar Kiesel oder ein Stück Holz im Randbereich geben ihnen Halt und machen aus dem Wasser eine Tränke statt einer Falle.