Bausätze, Farben und Zurüstteile — und das Wissen, das dazugehört
Modellbau
Vom ersten Bausatz bis zum matten Finish: was zusammenpasst, welcher Kleber welches Material hält und warum die Reihenfolge beim Lackieren über das Ergebnis entscheidet.
Der Maßstab entscheidet zuerst
Vor der Frage, welches Modell es wird, steht der Maßstab. Er ist ein Verhältnis: 1:35 heißt, das Modell ist fünfunddreißigmal kleiner als das Original. Bei Militärfahrzeugen hat sich 1:35 durchgesetzt, bei Flugzeugen 1:72 und 1:48, bei Automodellen 1:24, bei großen Schiffen 1:350 und 1:700. Wer den Maßstab wechselt, kann später nichts nebeneinanderstellen: Ein Panzer in 1:35 überragt ein Flugzeug in 1:72 um ein Vielfaches, obwohl das Original kleiner war.
Der Maßstab entscheidet auch über Detail und Platz. Große Maßstäbe zeigen Nietenreihen, Gurtzeug und Instrumente, die kleiner schlicht nicht darstellbar sind. Dafür braucht ein einzelnes Modell dann den Raum, in dem sonst eine ganze Staffel steht. Kleine Maßstäbe verzeihen zugleich weniger: Auf wenigen Zentimetern fällt jede Spachtelstelle und jeder Kleberfleck sofort auf, weil das Auge die Fläche als Ganzes erfasst.
Eine Eigenheit dieses Sortiments sollte man kennen: Der Maßstab steht selten im Produktnamen, dafür fast immer in der Produktbeschreibung, zusammen mit Hersteller und Artikelnummer. Wer gezielt sucht, kombiniert deshalb besser Maßstab und Fahrzeugart, statt nach dem Maßstab allein zu suchen.
Militärfahrzeuge im Maßstab 1:35
Drei Materialien, drei Kleber
Bausätze bestehen fast immer aus Polystyrol. Plastikkleber ist deshalb kein Klebstoff im gewohnten Sinn: Er löst die Oberfläche an, und beim Trocknen verschweißen die Teile zu einem Stück. Das macht die Naht so haltbar, und das ist zugleich der Grund, warum ein Tropfen daneben die Oberfläche dauerhaft vernarbt.
Resin, also Gießharz, spielt nach eigenen Regeln. Plastikkleber findet daran nichts zum Anlösen und hält nicht. Hier braucht es Sekundenkleber oder Zweikomponenten-Epoxid. Resinteile hängen an massiven Gießblöcken, die abgesägt und nicht abgeknipst werden wollen, und sie tragen ab Werk ein Trennmittel aus der Form. Wird es nicht abgewaschen, hält weder Kleber noch Farbe darauf.
Fotoätzteile aus Messing sind flach. Klappen, Gitter und Gurte entstehen erst durch Biegen, und mit der Pinzette wird das nie gerade: Eine Biegehilfe macht hier den Unterschied. Auch Messing verlangt Sekundenkleber, und weil Farbe auf blankem Metall schlecht haftet, zusätzlich eine Grundierung. Wer Zurüstteile kauft, kauft deshalb fast immer auch einen anderen Kleber dazu.
Ätzteile und Zurüstsätze
Acryl oder Kunstharz, Pinsel oder Airbrush
Acrylfarben lassen sich mit Wasser oder Systemverdünner strecken, riechen wenig und trocknen schnell. Genau das wird beim Pinseln zum Problem: Der Ansatz steht bereits, bevor die Fläche geschlossen ist. Enamels auf Kunstharzbasis brauchen Lösemittel und trocknen langsam, und deshalb verlaufen Pinselstriche darin sauber ineinander. Lösemittel gehören ans offene Fenster.
Grundierung ist kein optionaler Zwischenschritt, sondern der, der über alles Weitere entscheidet. Auf Resin, Messing und Metall haftet Farbe ohne sie kaum. Zugleich macht die einfarbige Schicht sichtbar, was auf buntem Plastik unsichtbar bleibt: offene Nähte, Kratzer, Fingerabdrücke. Wer das erst nach der Basisfarbe bemerkt, schleift durch fertige Farbe.
Eine Airbrush ist nie ein Einzelkauf. Dazu gehören ein Kompressor mit Druckregler, der zur Farbe passende Verdünner und eine Absaugung oder Maske. Zu dicke Farbe verstopft die Düse, zu dünne läuft in Bahnen. Und nach jeder Farbe wird gereinigt: Das ist kein Zubehör, sondern Teil der Arbeit.
Farben, Grundierungen und Pigmente
Die Reihenfolge: warum Decals auf Glanz kommen
Beim Lackaufbau zählt die Reihenfolge mehr als jedes einzelne Produkt: grundieren, Basisfarbe, Glanzlack, Decals, Alterung, zum Schluss Mattlack.
Der Glanzlack vor den Decals ist der Schritt, der am häufigsten übersprungen wird, und der Grund für das sogenannte Silvering. Ein Nassschiebebild braucht eine glatte Fläche. Auf einer matten Oberfläche bleibt mikroskopisch Luft unter der Trägerfolie gefangen, die das Licht streut: Der Rand schimmert silbrig, das Bild wirkt aufgeklebt statt aufgemalt. Auf Glanzlack legt sich die Folie satt auf, der Rand verschwindet. Weichmacher zieht das Decal zusätzlich in Gravuren und über Wölbungen, wo es sonst Blasen wirft.
Erst danach kommt die Alterung. Ein Wash läuft in Vertiefungen und zeichnet Gravuren nach. Pigmente legen Staub und Rost dorthin, wo sie auch am Original liegen: unten, nicht oben. Der Mattlack am Schluss bindet die Pigmente und nimmt dem Modell den Spielzeugglanz. Wer ihn weglässt, wischt die Alterung beim ersten Anfassen wieder ab.