Passform, Kragen, Stoff und Groesse richtig waehlen
Herrenmode: der Ratgeber vom Hemd zum Anzug
Gute Herrenmode beginnt nicht bei der Marke, sondern bei Passform, Kragen und Stoff. Wer weiss, wie eine Kragenweite gemessen wird, was Oxford von Popeline unterscheidet und welcher Schnitt zu welchem Anlass passt, kauft seltener daneben. Dieser Ratgeber fuehrt vom einzelnen Hemd bis zum kompletten Anzug.
Vom Hemd zum Anzug
Herrenmode wirkt komplizierter, als sie ist. Die meisten Fehlkaeufe entstehen an drei Stellen: der falschen Passform, dem unpassenden Kragen und dem falschen Stoff fuer den Anlass. Ein schmal geschnittenes Slim-Fit-Hemd spannt an Brust und Bauch, wo ein Comfort Fit locker sitzt; ein grober Oxford-Stoff wirkt unter dem Anzug fehl am Platz, waehrend er zur Chino genau richtig ist.
Wer diese drei Groessen zusammendenkt - Schnitt, Kragen, Gewebe -, stellt sich eine Garderobe zusammen, in der jedes Teil mit jedem kann. Die folgenden Abschnitte gehen sie der Reihe nach durch: erst das Hemd als Basis, dann Polo und Chino fuer den legeren Tag, schliesslich Sakko und Anzug fuer den formellen Auftritt.
Hemden fuer Business und Freizeit
Kragenformen und was sie aussagen
Der Kragen bestimmt den Charakter eines Hemdes staerker als die Farbe. Der Kent-Kragen mit mittlerem Spreizwinkel ist der Allrounder: Er traegt eine Krawatte ebenso wie den offenen obersten Knopf und passt zu fast jedem Anlass. Der Haifischkragen, auch Cutaway genannt, spreizt weit auseinander und gibt einem breiten Krawattenknoten Raum - eine klassisch-elegante Wahl zum Anzug.
Der Button-Down-Kragen wird mit zwei kleinen Knoepfen an der Brust fixiert; er stammt urspruenglich aus dem Polosport, wirkt sportlich-leger und kommt gut ohne Krawatte aus. Der Tab-Kragen mit verstecktem Steg unter dem Knoten hebt die Krawatte leicht an und wirkt betont formell. Wer unsicher ist, faehrt mit einem Kent-Kragen am breitesten - er sitzt zur Jeans genauso stimmig wie unter dem Sakko.
Poloshirts fuer den legeren Tag
Stoffe lesen: Oxford, Popeline, Twill
Am Stoff entscheidet sich, ob ein Hemd business-tauglich oder Freizeit ist. Popeline ist glatt, dicht gewebt und schimmert leicht - die feine, kuehle Wahl fuers Buero und unter das Sakko. Oxford ist groeber gewebt, griffig und robust; das typische Korn macht es strapazierfaehig und bewusst leger, ideal zu Chino und offenem Kragen.
Twill erkennt man an der diagonalen Rippe im Gewebe: weich, fliessend, knitterarm und dadurch reisetauglich. Feiner Batist ist fast durchscheinend und eignet sich fuer festliche Anlaesse, waehrend Fil-a-Fil aus der Naehe einfarbig und aus der Distanz strukturiert wirkt. Reine Baumwolle atmet am besten; ein kleiner Elastan-Anteil - auf dem Etikett als Stretch ausgewiesen - gibt Bewegungsfreiheit, ohne die Optik zu veraendern.
Chinos: die Hose zwischen Jeans und Anzug
Groessen richtig bestimmen
Herrengroessen folgen mehreren Systemen, die man nicht verwechseln sollte. Beim Hemd zaehlt die Kragenweite in Zentimetern, gemessen am zugeknoepften Kragen von Knopfloch bis Knopf - gaengig sind Schritte von 37 bis 46. Anzug und Sakko laufen ueber die Konfektionsgroesse: Die Normalgroesse entspricht etwa der halben Brustumfang-Zahl in Zentimetern, ein Brustumfang von 100 cm also ungefaehr Groesse 50.
Wer kraeftiger gebaut ist, greift zur Bauchgroesse mit Zahlen ab 24, schlanke und grosse Maenner zur Langgroesse ab 90. Chinos und Jeans nutzen das Zoll-System W/L: W steht fuer die Bundweite, L fuer die Beinlaenge. Wichtiger als die Zahl bleibt die Passform - Comfort und Regular Fit lassen Raum, Modern Fit ist leicht tailliert, Slim Fit liegt eng am Koerper an.
Sakkos fuer den gehobenen Auftritt
Anlaesse und Pflege
Zum Anlass: Fuer Business und formelle Termine traegt der dunkle Anzug in Anthrazit oder Marineblau, dazu ein Kent- oder Haifischkragen mit Krawatte. Der Business-Casual-Freitag erlaubt das Sakko zur Chino, gern ohne Krawatte und mit Button-Down- oder Kent-Kragen. Fuer Hochzeiten und abendliche Anlaesse darf der Stoff feiner schimmern und das Hemd heller ausfallen.
In der Pflege gilt: Baumwollhemden waescht man bei 40 Grad auf links und buegelt sie leicht feucht - zuerst Kragen und Manschette, dann die Flaechen. Sakkos und Wollanzuege gehoeren nicht in die Maschine; sie werden gelueftet, mit der Kleiderbuerste abgezogen und nur bei Bedarf professionell gereinigt. Ein Hemdenbuegel und genug Platz im Schrank verhindern mehr Falten, als jedes Buegeleisen sie glaetten kann.